Wie rollstuhlgerecht ist Malaysia?

Malaysia ist durchaus ein gutes Reiseziel für Rollstuhlfahrer. Die folgende Zusammenfassung beruht auf Erfahrungen, die meine Schwester und ich (Rollstuhlfahrer) zwischen 2009 (Kuala Lumpur – Kota Kinabalu – Sabah – Danum Valley- Sipadan island) und 2013 (Kota Kinabalu – Labuan Island- Kuching- Sarawak – Kuala Lumpur – Melakka) gemacht haben. Falls jemand andere Erfahrungen hinzuzufügen hat, schreibt bitte einen Kommentar auf diese Seite.

Transport – 6 Punkte

Taxis, in die man sitzend im Rollstuhl einsteigen kann, haben wir in ganz Malaysia nicht entdeckt. Wir sind hauptsächlich in Privattaxis gereist, in die ich mich auf den Vordersitz umgesetzt habe. Die Autos variierten von luxuriösen Limousinen oder Vans bis zu älteren Toyota-Corolla-Modellen. Der Transport ist teurer als mit Bussen oder Kleintransportern. Beispielsweise zahlten wir U$ 100 für die Fahrt von Kota Kinabalu nach Menumbok (eine Strecke von 150 km). Das Reisen auf der Hauptinsel ist günstiger. Wer eine Fahrt über Land nach Singapur plant, sollte außerdem ein Taxi wählen, dass eine Lizenz für den Grenzübertritt hat, sonst muss man an der Grenze umsteigen und dafür manchmal lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Die meisten Fahrer sind sehr höflich und fahren nicht zu schnell. Hin und wieder “erfreuen” sie die Passagiere mit der überlauten Abspielung einer “Best of Modern Talking”-CD. Der Transport über Wasser war dagegen etwas schwieriger, aber dank der tatkräftigen Unterstützung der malayischen Besatzung nie ein großes Problem. Einmal wurde ich hinten auf die Rückbank eines Speedboats gehoben, da die Luke zur Kabine zu eng war, in der ohnehin bereits 20 Passagiere bis oben hin beladen mit ihren Habseeligkeiten saßen. Eine etwas nasse Angelegenheit, aber auch ein Abenteuer! In Kuala Lumpur gibt es auch einige andere Transportmöglichkeiten: Vor allem der Hop-on-Hop-off-Bus für touristische Rundfahrten ist empfehlenswert, weil er mit einem Rollstuhlplatz ausgestattet ist. Die Gehsteige in den Großstädten sind gut und an manchen Kreuzungen auch abgeflacht. In Kuching gibt es beispielsweise einen wunderschönen Weg an der Flusspromenade entlang, von der aus man die Hauptattraktion der Stadt, das Regionalparlament mit seinem goldenen, schirmartigen Dach am anderen Ufer betrachten kann. Andererseits kann man auch überall auf der Straße gehen, sollte aber rechts bleiben, um den entgegenkommenden Verkehr im Auge zu haben.

Nicht ganz einfach, mit dem Rollstuhl auf die Insel Pulau Labuan zu kommen, wenn man die Fährte verpasst hat. Die Luke zum Speedboat vorne war zu klein, deshalb wurde ich hinten vor den Motor gesetzt.

Infrastruktur – 4 Punkte

Die Infrastruktur Malaysias ist nicht gerade für Rollstuhlfahrer gemacht. Abgeflachte Gehsteige gibt es nur in den Großstädten und auch dort nur an wenigen Stellen. Rampen oder Lifte sind auch dort selten. Allerdings sieht man vor allem an sehr touristischen Orten die Bemühung, die Sehenswürdigkeiten auch für ältere Menschen, Kinderwägen und Rollstühle begehbar zu machen. Das Cultural Village in Sarawak, Borneo, hat beispielsweise große Holzrampen vor fast allen Stelzenhäusern errichtet. Für das Erlebnis, nahe Kuala Lumpur die Glühwürmchenkolonien zu besuchen, ist der Transfer in die sehr schmalen Kanuboote nur etwas für Hartgesottene. Die Malayen helfen aber wo sie können, damit man auch als Rollstuhlfahrer die Sehenswürdigkeiten genießen kann. Die schicken Shopping-Malls in Kuala Lumpur sind – alleine schon wegen der Horden an Kinderwägen – mit Liften ausgestattet. Das Warten kann manchmal frustrierend sein, da in Malaysia die gesamte Großfamilie (gerne mal 8-12 Personen) stets zusammenbleibt und damit einen ganzen Lift besetzt, auch wenn nur ein Kind im Kinderwagen geschoben wird.

Das Cultural Village of Sarawak hat Rampen an fast jedem Stelzenhaus – eine Menge Arbeit für meinen Guide Freddy.

Hotels – 6 Punkte

Die Suche nach rollstuhlgerechten Hotels war sehr mühsam, nicht wegen der wenigen Hotels, die ebenerdige Zimmer anbieten, sondern weil die Informationen dazu so schwer zu finden sind. Nur sehr teuere Resorts geben darüber im Internet Auskunft. Wir mussten uns stundenlang ans Telefon hängen, um die nötigen Informationen über Breite der Badezimmertüre etc. einzeln zu erfragen. So hatte unsere Reise durch Malaysia alles von der supercoolen und günstigen Papayas Beach Lodge bis zu einem eher teuren 120 m²-Appartment in Melakka zu bieten. Viele Hotels waren sehr daran interessiert, ihr Angebot behindertenfreundlicher zu gestalten. Zum Beispiel schweißte ein Mitarbeiter des Cosy Hotels in Melaka extra für uns eine Eisenrampe, die ab sofort natürlich auch anderen Rollstuhlfahrern zur Verfügung stehen wird. Im Permai Rainforest Resort stand uns 24 h eine Servicekraft zur Verfügung, um mich den bergigen Weg vom Zimmer zum Restaurant zu schieben. Abschließend können wir nur empfehlen, die Einträge auf www.reisenmitrollstuhl.de zu nutzen oder sich an einen Tour Operator zu wenden, der sich gut mit den Bedürfnissen von Rollstuhlfahrern auskennt.

Das Cosy Hotel in Melakka hat extra für unseren Besuch eine Stahlrampe gebaut – großartig!

Essen und Trinken – 8 Punkte

Wenn dir schon beim Frühstück die Zunge vom scharfen Chilli brennt, weißt du, dass du in Malaysia bist. Chickencurry mit Roti (Fladenbrot), Nasi Lemak mit viel Sambal oder Laksa auf Borneoart (Schrimpsuppe) sind nur einige der köstlichen Gerichte, die wir genossen haben. Frischer Fisch und Meeresfrüchte sind überall erhältlich – zum Beispiel auch im Portugiesischen Viertel in Melakka. Natürlich findet man in einer Großstadt wie Kuala Lumpur Restaurants aller Nationalitäten: vom superchicen Japaner, wie dem Shook!-Restaurant über Steakhäuser bis hin zum Veganer. Wir besuchten auch einen Ableger der in Asien berühmten Din Tai Fung-Restaurants und genossen zu Weihnachten ein koreanisches BBQ. Da Malaysia hauptsächlich muslimisch ist, bieten nicht alle Restaurants alkoholische Getränke an. Bier bekommt man aber in jeder Stadt, nur guter Wein ist selten und sehr teuer.

Das Restaurant Tribal Stove in Kuching bietet traditionelle regionale Küche mit braunem Reis in Bananenblättern als Beilage.

Security – 8 Punkte

Als Tourist kann man sich sowohl auf Borneo, als auch auf der Hauptinsel Malaysias sicher fühlen, allerdings gibt es einige Regionen, in denen Vorsicht geboten ist. Rund um die Insel Sipadan nahe der Grenze zu den Phillippinen herrscht starke Militärpräsenz, da es hier in der Vergangenheit zu Entführungen von Touristen kam. Auch wurde uns im Dezember 2013 von der Fahrt über die thailändische Grenze im Norden wegen eines schwelenden Grenzkonflikts abgeraten. Wir erlebten in Malaysia aber nie eine Situation, in der wir uns unsicher fühlten.

Sightseeing – 6 Punkte

Animistische Rituale und undurchdringliche Wildnis gehören ebenso zu Malaysias Attraktionen wie die silbernen Petronas Towers und riesigen Shopping Malls Kuala Lumpurs. Das moderne Stadtleben dreht sich vor allem um diese großen Einkaufsparadiese. Hier findet man Kinos, Theater, Gallerien, Restaurants, sogar Eislaufbahnen. Dank der vielen Kinderwägen verfügen alle Malls über Lifte. Die Insel Borneo ist traditioneller geprägt, sowohl was die Kultur, als auch die Landschaft angeht. Hier gibt es jede Menge Naturwunder zu bestaunen, angefangen vom Meeresnationalpark Sipadan mit seinen fischreichen Riffs bis hin zum ursprünglichen Regenwald im Danum Valley im Zentrum von Sabah. Danke der hilfsbereiten Malayen kann man selbst mit dem Rollstuhl die Wunder des Regenwaldes erleben – wenn die Tour auch nur durch die Hotelanlage des Permai Rainforest Resorts führte. Wer auf der Suche nach Strandurlaub ist, sollte die Reisezeit berücksichtigen, denn in der Regenzeit sind viele Resorts geschlossen. Nicht alle Inseln verfügen über einen Hafen mit Anlegestelle, die auf dem Wasser schwimmt. So kann das Ein- und Aussteigen ins Boot je nach Gezeiten zur akrobatischen Übung werden. Der Rundgang durch das Sarawak Cultural Village ist mit Rampen ausgestattet, um die hohen Stelzenhäuser auch mit dem Rollstuhl besichtigen zu können. Im Theater findet mehrmals täglich eine unterhaltsame Tanzshow statt. Es gibt also wirklich eine Menge in Malaysia zu sehen – auch vom Rollstuhl aus!

Traditionelle Kleidung verschiedener Stämme von der Insel Borneo

Health services – 7 Punkte

Kuala Lumpur hat sich in den letzten Jahren zu einem Zentrum der Schönheitschirurgie entwickelt. Nicht nur deshalb ist die medizinische Versorgung in der Metropole sehr gut. In sehr abgelegenen Orten kann das anders sein. Eine gut sortierte Reiseapotheke ist auf alle Fälle sinnvoll.

Nicht nur die Polizei in Malaysia war sehr freundlich und hilfsbereit

Handling disabled – 8 Punkte

Generell waren die Menschen in Malaysia immer sehr hilfsbereit. Der Transfer in Boote oder Flugzeuge war nie ein größeres Problem. Als wir einmal auf einem kleinen Speed Boat zur Insel Pulau Labuan übersetzen mussten und mir das Wasser der Gischt ins Gesicht spritzte, wurden wir gleich von den anderen Passagieren ungefragt mit Taschentüchern versorgt. Auch in Hotels oder Nationalparks helfen die Angestellten unentgeltlich, freuen sich aber natürlich über ein kleines Trinkgeld zum Abschied.