Nalutporn Krairiksh hat Reisenmitrollstuhl.de bei einem Treffen in Bangkok erklärt, warum ihr die Barrierefreiheit Bangkok’s so wichtig ist.

Nalutporn Krairiksh ist 24 Jahre. Sie ist eine Menschenrechtsaktivistin und arbeitet für Prachatai, eine unabhängige, gemeinnützige Online Zeitung in  Bangkok, Thailand. Hauptsächlich befasst sie sich mit dem Thema Behinderung und Menschenrechte in Thailand. Auch setzt sie sich sehr für Barrierefreiheit im öffentlichen Transportsystem ein. Auf ihrer Website This Able Me beschreibt sie in Videos, was mit dem Rollstuhl alles sein kann. Wir trafen diese inspiriende, junge Frau im Juni und nochmals im November zum Interview in Bangkok.

Warum ist dir Barrierefreiheit in Thailand so wichtig?

Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie es ist, wenn man keine Möglichkeit hat, bestimmte Orte zu erreichen. Als ich zum Beispiel an der Uni war, musste ich meinen Vater jeden Tag bitten, mich dorthin zu fahren. Ich fand das sehr ungerecht. Die Autofahrt dauerte eine Stunde, mit den öffentlichen Verehrsmitteln dagegen dauert es nur 15 Minuten von meinem Haus bis zur Uni.
Deswegen trat ich der Gruppe Öffentlicher Transprot für Alle bei. Wir sind eine Gruppe von 10 Leuten mit Bewegungs- und visuellen Behinderungen. Wir setzen uns für Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln ein, zum Beispiel dem BTS Skytrain. Ich habe geholfen, eine Checkliste zu erstellen, wie man das momentane BTS-System verbessern könnte. Teilweise ist es nämlich sogar schon barrierefrei. In vielen Zügen gibt es einen Anschnallgurt für den Rollstuhl. Leider weiß das BTS-Personal oft nicht darüber Bescheid. Auch wurde mir oft die Benutzung von unserem U-Bahn-System in Bangkok verwehrt, da es keine Lifte gibt. Einmal wollte ich nach der Arbeit mit meinen Freunden einkaufen gehen und wir sind mit der BTS zur Esplanade gefahren. Leider war der Lift auf der anderen Seite einer sechsspurigen Straße. D.h. ich musste ein Taxi nehmen und mich einmal rumfahren lassen, um auf die richtige Seite zu kommen. Da ist es doch viel einfacher, gleich ein Taxi zu nehmen.

Verena beim Interview mit Nalutporn Krairiksh in Bangkok

Glaubst du, dass barrierefreier Tourismus als eine Geschätsnische in Thailand erkannt wurde?

In touristischen Gebieten wie Phuket oder Chiang Mai ist das Thema Universelles Design angkommen. In Bangkok sehe ich da noch nicht so viele Bemühungen. Als ich Chiang Mai besuchte, waren die Menschen sehr hilfsbereit und trugen mich sogar die Stufen zu den Tempeln hoch. Aber wenn ich in Bangkok einen Tempel besuche, komme ich nicht rein und die Menschen helfen nicht. Chiang Mai hat einen blühenden internationalen Tourismus und vielleicht bringen diese Urlauber auch das Bewusstsein für inklusiven Tourismus mit. Aber in Bangkok verteilen sich die internationalen Touristen auf die zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Das – kombiniert mit der Tatsache, dass es keine Interessensverbände für Menschen mit Behinderung gibt –  führt zu dem schlechten Zugang von touristischen Attraktionen in Bangkok.

Wie meinst Du, können wir erreichen, dass mehr Rollstuhlfahrer in entlegenere Länder reisen?

Jeder hat seine eigene Art zu Reisen, seine speziellen Interessen, was er auf Reisen erleben möchte. Das geht Rollstuhlfahrern nicht anders. Es gibt Menschen, die ganz genau wissen möchten, wo und wie sie übernachten und die bis ins kleinste Detail den Urlaubsort vorher auskundschaften.  Dann gibt es Menschen, die einfach eine neue Erfahrung machen wollen und die kein Problem damit haben, erst mal zu sehen, was passiert und dann Lösungen zu finden, wenn Probleme auftreten. Und natürlich gibt es die große Masse der Rollstuhlfahrer, die irgendwo zwischen diesen beiden Extremen liegen.

Information ist unsere wichtigste Resource. Es erlaubt uns, gut informiert eine Entschiedung zu fällen, was wir möchten. Auch sind die Erfahrungen von anderen Rollstuhlreisenden sehr wichtig. Sie zeigen, dass es erstens möglich ist, dass es zweitens andere schon zuvor getan haben und und drittens wie die Erfahrungen dieser Reisenden waren. Wir können uns gegenseitig motivieren, wenn wir unsere Abenteur teilen und uns gegenseitig – und der Welt – zeigen, dass Reisen mit dem Rollstuhl möglich – und noch viel wichtiger – dass es eine geniale Erfahrung ist!

Auf der Facebook-Seite von The Standard gibt es ein Interview mit Nalutporn Krairiksh zu sehen